Wie viel Farbtheorie braucht der Kunstunterricht?!



Dr. Andreas Schwarz



Donnerstag 25.09.
16.00 – 16.30 Uhr

in Hörsaal Rot


Abstract

Der Farbkreis, die drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau, die Sekundärfarben und Tertiärfarben sowie die Farbkontraste sind mittlerweile — zumindest als Begrifflichkeiten — zum Allgemeinwissen avanciert. Dies ist wenig verwunderlich, denn einzelne Elemente dieser Farbtheorie Itten’scher Prägung gehören oft schon seit der Grundschule zum fest etablierten Repertoire im Kunstunterricht, auf das immer wieder zurückgegriffen und bis zum Abitur hin stetig erweitert wird.

Der Erfolg dieser Farbtheorie ist bemerkenswert, denn seit Jahrzehnten häuft sich aus didaktischer Sicht die Kritik dahingehend, dass sich die Farbtheorie im Ausmalen des Farbkreises und in schematischen Mischübungen erschöpfe. Hierbei ist noch ganz außer Acht gelassen, dass diese Farbtheorie grobe inhaltliche Ungereimtheiten aufweist. So sind z.B. bestimmte postulierte Mischgesetzlichkeiten in der Praxis gar nicht zu realisieren.

Wie sieht aber die Behandlung der Itten’schen Farbtheorie im Kunstunterricht tatsächlich aus? Wie wirkt sie sich dort aus? Wie gehen Lehrer und Schüler damit um? Was bedeutet dies für den Umgang mit Farbmaterial und die Betrachtung von Bildern sowie für das Farbempfinden und die Wahrnehmung der Schüler? Wie beeinflusst die Behandlung der Farbtheorie gar das Verhalten zwischen Lehrern und Schülern?

Anhand von schlaglichtartig präsentierten Unterrichtssituationen werden exemplarische Einblicke in die hier aufgeworfene Problematik gewährt, die in die abschließende Fragestellung mündet: Wie viel und vor allem welche Farbtheorie braucht der Kunstunterricht?!

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Vita

Dr. phil. Andreas Schwarz ist Lehrer für Kunst und Englisch. Seit 2010 hat er seine Abordnung an die Universität Duisburg-Essen, Fachbereich Kunstpädagogik zum Zwecke der Habilitation zum Thema Umgang mit Farbe im Kunstunterricht. Schwarz Vorstandsmitglied im Landesverband NRW des BDK e.V. Schwarz ist Kuratoriumsmitglied des DFZ (Deutsches Farbenzentrum) und dort zuständig für den Bereich Farbdidaktik. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Didaktik der Farbe, Geschichte der Kunstpädagogik, subjektive Zugangsweisen und Bildkompetenz, Empirische Unterrichtsforschung. Schwarz Publikationen: Die Lehren von der Farbenharmonie. Göttingen: Musterschmidt 1999; Color Ordered – A Survey of Color Order Systems from Antiquity to the Present. (zusammen mit R. G. Kuehni). New York: Oxford University Press 2008; Farbtrilogie des BDK-NRW; Immer wieder Itten ...? Neue Ansätze um Umgang mit Farbe im Kunstunterricht. (Zusammen mit F. Seitz und F. Schmuck). Düsseldorf: BDK-NRW 2003; Farbsysteme und Farbmuster – Die Rolle der Ausfärbung in der historischen Entwicklung der Farbsysteme. Hannover: BDK 2004; Farbe sehen lernen! Mischkurs, Bildanalyse und kritische Betrachtung der Theorien von Itten und Küppers. (zusammen mit F. Schmuck). Düsseldorf: BDK-NRW 2008; Wege zur Kunst – Begriffe und Methoden zum Umgang mit Farbe. (Einschließlich "Kleines Farbenpraktikum": 45 Farbmuster, Übungsanleitung & Farbkörpermodell als Bastelbogen). Braunschweig: Schroedel 2014