Farbe als Akteur und Speicher



Historisch-kritische Analyse der Materialität und kulturellen Codierung von Farbe – FARBAKS

Verbundforschungsprojekt des Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderrichtlinie „Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“.

Experimente, Versuche und Modelle dienen in unterschiedlichster Form jedweder Forschung und Wissenschaft zur Verifizierung und Überprüfung von Hypothesen und Theorien, zum Erschließen und Abbilden historischer Lebensweisen, Erfindungen und produzierender Verfahren, klären Kontexte und transdisziplinäre Strukturen von komplexen Fragestellungen, flankieren Innovationen unter dem Fokus künftiger Anwendungen.

So auch innerhalb des hier präsentierten Forschungsprojekts. Anhand historischer Objekte und Quellen, ausgewählter Farb- und Farbwahrnehmungsexperimente, anhand von signifikanten Systematisierungsmodellen und Farbsystemen sowie von exemplarischen Materialuntersuchungen und der Präsentation historischer Farbmittel wie neuester funktioneller Farb-Licht-Stoffe gibt das Team des Forschungsprojekts Einblicke in seine Arbeit an den acht Forschungsthemen der vier Verbundpartner TU Dresden, HfBK Dresden, FSU Jena und FH Köln. Der Wandel in Wahrnehmung und Umgang mit Farben vom Materiellen zum Immateriellen, die Rezeption und Wirkung von Farbinnovationen in Kultur und Gesellschaft bis hin zur Generierung propagandistischer Geschichtsbilder durch Farbdiktate stehen ebenso im Fokus der Forschungen wie die behauptete Verbindlichkeit von Farbsystemen und-instumentarien angesichts der meist unberücksichtigten Alterungsprozesse von Farbmitteln. Die Bedeutung der Farbe, auch materiell, als Wissensspeicher und Teil des kulturellen Gedächtnisses stellt mithin eine der herausragenden Fragestellungen dar wie auch die nach den Potentialen hinsichtlich gesellschaftlicher Identität, Einordnung bzw. Ausgrenzung.

Verantwortlich:
Das Forschungsteam

Moderation:
Dr. Konrad Scheurmann

Farbe Als Aktuer und Speicher_01
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Mit Blick auf das Thema Farbwahrnehmung, das eine zentrale Fragestellung des Forschungsprojekts FARBAKS berührt, bietet das Forschungsprojekt am ersten Konferenztag den Farbwahrnehmungs- und Netzhautforschern Richard H.W. Funk, Eckhard Bendin, beide TU Dresden, Jörg H. Krumeich und Alfred Knülle Wenzel, beide Bochum, das Forum für ihren

Diskurs zur Netzhautforschung,

mit dem neueste Erkenntnisse zur Wahrnehmung von Farben durch die spezielle Struktur der Netzhaut, ihrer lichtwahrnehmenden und lichtleitenden Rezeptoren und Zellen. Dabei werden sowohl die Potentiale der Bruch´schen Membran als Teil des optischen Systems innerhalb der Physiologie des Sehens thematisiert wie die der Müller-Zellen. Speziell die Feinstruktur der sogen. Disci, den Außengliedern der Netzhaut, die an die Interferenzfarben erzeugenden Nano-Strukturen von z.B. Schmetterlingsflügeln erinnern, lassen erwarten, dass wesentlich mehr Farben wahrgenommen werden können als es bisher mit Bezug auf die drei Farbrezeptoren tradiert wird. Aufgrund dieser Forschungen kommt der Annahme des Vaters der Experimentalpsychologie Wilhelm Wundt, das es keine begrenzte Zahl farbiger Sehstoffe gibt, diese vielmehr eine aus unbestimmt vielen Abstufungen sich bildende Reihe darstellen, eine hohe und weiter zu beforschende Aktualität.

Verantwortlich:
PD Dipl.-Ing. Eckhard Bendin, Moderation: Dr. Konrad Scheuermann

Der Diskurs zur Netzhautforschung findet am ersten Konferenztag, Donnerstag 25.09.2014, im Raum K7-EG (Präsentationsraum des Forschungsprojekts FARBAKS) in zwei Teilen statt.

Teil 1: 12.00 bis 13.00 Uhr
Dr. Jörg H. Krumeich und Dipl.-Phys. Alfred Knülle-Wenzel, Bochum
Farberkennung und Analyse der stehenden Welle
Darstellung eines neuen Verfahrens zur Erklärung des Farbsehens und zur Identifizierung aller Farben.

Teil 2: 13.30 bis 14.30 Uhr
Priv.-Doz. Eckhard Bendin, Dresden
Auffällige Analogien im Lichte einer Annahme von Wilhelm Wundt
Vergleich von Nanostrukturen an Schmetterlingsflügeln mit den Disci unserer Photorezeptoren hinsichtlich bekannter Farbdifferenzierung bei Interferenz und Polarisation sowie der Annahme „unbestimmt vieler Abstufungen farbiger Sehstoffe“(Wundt 1910).

Diplom-Biologe Robert Bläsche, Dresden
Farberkennung und Analyse der stehenden Welle
Übersicht über die Anwendung von nicht-linearer Optik und Quantenphänomenen im Bereich der Mikroskopie und mögliche Analogien zur Arbeitsweise der Photorezeptoren.

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Die strukturelle Analogie der menschlichen Rezeptor-Außenglieder zu Nanostrukturen an Schmetterlingsflügeln (Oben) und die SWA-Colorgrammen nach Krumeich/Knülle (Unten), eine Generation ’stehender Wellen‘ in Gestalt spezifische Wellenmuster zwischen 400 und 800 nm (Bendin 2010, S.57-59).

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