Farbdesignforum



Während in vergangenen Zeiten Designimpulse aus den großen Unternehmen kamen, benötigen sie heute kleine Designagenturen um die kreativen Impulse abseits des Mainstreams zu finden. Gerade das freie Experiment mit Farbe und Material wird immer mehr als Ideengeber und Motor für Innovation verstanden.

Im Farbdesignforum präsentieren sich junge Designer und Designagenturen aus dem Bereich Farbe und Material, Marken- und Trendwelten.

Leitung:
Timo Rieke, Verw.-Prof., Dipl.-Des., HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Fakultät Gestaltung, Kompetenzfeld Farbdesign
Projektteam:
Benjamin Hey, Natalia Löwen, Eva Lünser, Inga Olsen, Katharina Sobanski

Mitwirkende:
Dipl.-Ing. Mario Schwary, Interbrand Berlin
Dipl.-Des. Martin Brandes, HAWK Hildesheim
M.A. Livia Baum und M.A. Jutta Werner, Zukunftstil IIT
M.A. Thomas Wahle, Hannover
Dr. rer. nat. Anke Zürn, Biel, CH
Dipl.-Des. Tomislav Topic und M.A. Thomas Granseuer, Quintessenz, Hannover/Berlin
Dipl.-Des. Timo Rieke, Verw.-Prof., Visual Haptics Lab, HAWK Hildesheim

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Timo Rieke

Visual Haptics, der Zusammenhang von Haptik und Farbwahrnehmung

„Begreift man, dass die Interpretation des Seheindrucks zu einem Großteil auf körperlichen Erfahrungen beruht, so werden Gestaltungselemente wie Farbe Spielelemente einer auf Bewegungsdynamik und unmittelbarem Gefühl beruhenden Welt.“

Farbe weckt bestimmte Erwartungen an körperliche Gefühle. Farben wirken rau oder glatt, weich oder hart, spitz oder rund, schwer oder leicht, flach oder räumlich. Um Farbbedeutungen zu verstehen, scheint es hilfreich, den Seheindruck direkt mit dem Tastsinn zu korrelieren. Die Studie „haptic visuals – Oberfläche und Struktur – Farbe und ihre Beziehung zur Tastwahrnehmung“ untersucht diese Zusammenhänge und zeigt, dass sich die haptischen Faktoren der Körperfarben in ein dreidimensionales System übertragen lassen, das zwischen Farbtönen (kalt/warm, spitz/rund), Helligkeiten (schwer/leicht, oben/unten) und Intensitäten (nah/entfernt, bewegt/unbewegt) unterscheidet. Identifizierbare Gestaltungen von farbigen Oberflächen, Formen und Räumen hängen direkt mit der Beurteilung der Farbe unter haptischen Gesichtspunkten zusammen.

Timo Rieke ist selbständiger Designer und Art Direktor mit Schwerpunkt auf integrative Gestaltung an den Schnittstellen zwischen Grafik, Produkt und Architektur. Als Leiter des interdisziplinären Visual Haptics Labs in Hamburg arbeitet er an Farb- und Materialkonzepten für Flächen, Formen und Räume. Neben Tagungsorganisationen, Buchpublikationen und Jurytätigkeiten arbeitet er für Kunden aus den Bereichen Architektur, Design, Medien und Wissenschaft. Timo Rieke lehrt seit 2011 als Verwaltungsprofessor Farbdesign an der HAWK in Hildesheim. Forschungsschwerpunkte betreffen die Verbindung von Farbwahrnehmung und Oberflächenanmutung, Farbe und Haptik. Timo Rieke ist Mitglied des Vorstandes des Deutschen Farbenzentrums e.V.

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Thomas Wahle

Short Circuited Diaries – Die Ästhetik des Fehlers

Digitalität präsentiert sich meist im glattem und perfekten Gewand. Doch bei aller Perfektion ist das Auftreten von Fehlern nicht ausgeschlossen – sogar mehr als wahrscheinlich. Im Alltag sind all diese Phänomene wenig wünschenswert. Doch in ästhetischer Hinsicht können sie aber durchaus reizvoll sein.
Der Grafikdesigner Thomas Wahle hat sich im Rahmen seiner Masterthesis auf die Suche nach Ursprüngen dieser Fehlerphänomene begeben, um diese auf ihre ästhetischen Qualitäten zu untersuchen.
Hier ist Thomas Wahle aber noch einen Schritt weiter gegangen.
 Er hat Fehler bewusst provoziert.
Das Experiment mit verschiedensten digitalen Manipulationstechniken wie Data-Bending oder Data-Moshing hat ihn schließlich zum Circuit-bending geführt. Diese Technik hat Thomas Wahle auf Digitalkameras und Scanner angewendet, um fehlerhaft-zerhackte oder farblich stark verfremdete Bilder zu generieren.
Innerhalb dieser Experimente sind mehr als 3000 Fehlerbilder entstanden, die in Muster-Kategorien eingeordnet wurden. Aus Fehlern wurden so Fehlermuster. Und diese hat er angewandt auf Teppiche. Mit ihnen geht die digitale Welt in eine physische, sinnliche Welt über. Der namhafte Teppichhersteller Vorwerk zeigte sich an dem Projekt höchst interessiert und realisierte 3 dieser Muster als Prototypen im Spritzdruck auf Teppich.

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Tomislav Topic und Thomas Granseuer, Quintessenz

Farbe, Material, Prozess und Technik als experimentelles Werkzeug
der Inszenierung und die Interaktion zwischen Objekt und Betrachter

Quintessenz ist ein Künstlerduo (Thomas Granseuer / *1981 und Tomislav Topic / *1985), welches sich mit Material, Farbe und Raum sowie den Prozessen dazwischen befasst. Den Schwerpunkt bilden die Bereiche Film, Installation, Wandgestaltung und Illustration. Im Sinne des Prozesshaften steht „Handmade“ für Quintessenz im Vordergrund – eine Reise zwischen digitalen und analogen Welten bestimmt den einzigartigen Charakter ihrer Arbeiten. Form- und funktionsgebende Elemente lebendig zu einem Ganzen zusammenzufügen ist Inhalt ihrer Arbeitsweise.

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Mario Schwary, Interbrand

Materialien und Farbe für die Marke im Raum

Mario Schwary ist Associate Creative Director 3D bei der internationalen Markenagentur Interbrand Berlin. Er ist verantwortlich für die kreative Umsetzung und Qualität rund um den 3-Dimensionalen Designprozess bei der Erstellung von Marken. Wichtig ist ihm das Markenvision, Markenstrategie und Markenwerte physisch erlebbar gemacht werden.
Mario hat an der FH Wiesbaden und der Universität für Angewandte Kunst in Wien Architektur studiert.
Angefangen hat seine Karriere als Architekt bei dem Wiener Büro Coop Himmelb(l)au. Danach Arbeitete Mario ein Jahr in NYC bei Vito Acconci und StudioMDA, bevor er für die koreanische Werbeagentur Cheil, zusammen mit 2 Partnern ein 3D Design Studio in München gründete und dort 2 Jahre lang den Kunden Samsung, international betreute.
Referenzmandate: Deutsche Telekom, Volkswagen, Nissan, Datsun, Piaggio, Pirelli, Art Basel, Flughafen München, Borealis, SIKA, ABB, Schindler, BMW Welt, Stadt Lyon “Musee des Confluences “, City of Shenzhen “Mocape”, Bosch, Michelin, Hankook und Samsung.


Martin Brandes, HAWK Hildesheim

Farbdesign revisited

Seit über 30 Jahren wird in Hildesheim Farbdesign als Studienfach gelehrt.
In dieser Zeit ist viel passiert und einiges hat sich über die Jahre verändert.
Von der Arbeit mit historischer Farbigkeit, farbiger Architektur, Farbmasterplänen, viele interessante Farbexperimente, Innenraumgestaltung, Farbtheorien, Farbstudien, Farbkollektionen, Produktfarbigkeit, Messen, Ausstellungen, spannenden Exkursionen und Tagungen bis hin zur Trend- & Zukunftsforschung. Nun steht der Umzug der Fakultät Gestaltung in den Neubau vor der Tür und wir sind gespannt auf ein in die Zukunft ausgerichtetes Kompetenzfeld Farbdesign in Hildesheim.
Freuen Sie sich auf eine Reise durch die Zeit von Farbdesign an der HAWK Hildesheim mit einem Ausblick in die Zukunft.

Dipl.-Des. Martin Brandes
Wissenschaftlicher Mitarbeiter & Dozent
Leitung Farbdesignstudio & Labor an der HAWK Hildesheim, Fakultät Gestaltung im Kompetenzfeld Farbdesign

Freier Designer
Stationen:
Studium HAWK Hildesheim – Farbdesign / Corporate Design
Designer > Caparol Schweden, Göteborg
Designer & Berater > NCS Color AB, Stockholm
Designer & Projekt Manager > rahe & rahe design Schweden
Designer > Locus Analytics (Think Tank / StartUp), New York City
seit 2011 WiMi, Dozent & Leitung Farbdesignstudio & Labor an der HAWK Hildesheim
Lehrveranstaltungen: Grundlehre Farbe digital, Grundlagen Farbe analog&digital

Brandes

Gisela Meyer-Hahn, Dipl.Designerin und freischaffende Künstlerin, Pinneberg/S-H

Windkraft – Farbig im Licht’ – Wirkung und Wahrnehmung

Windkraftanlagen sind sicht- und hörbare Zeichen für energetische und technische Innovation. Wie aber wirken diese ‚neuen Stadtlandschaften’ bei Tageslicht und in der Dunkelheit auf unsere Sinne? 2014 konnte ich ein Kunstprojekt in Schleswig-Holstein realisieren, das sich mit diesen Fragen befasst und durch Farbe Antworten fand.
Gisela Meyer-Hahn arbeitet als freischaffende Künstlerin. Sie erarbeitet, formt und gestaltet für den Menschen Räume und Objekte mit komplexen Inhalten aus Farbe und Licht. Ihr künstlerisches Anliegen ist, deren Wirkung auf die gesamte Sinneswahrnehmung erlebbar zu machen. Ihre Projekte wurden vielfach im In- und Ausland realisiert, ausgestellt und ausgezeichnet.

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Natacha Le Duff, für ein Museum der Farben

Farbenwissen durch Erfahrung vermitteln

Vor zwei Jahren hat Natacha Le Duff angefangen, ein Museum der Farben zu konzeptualisieren und zu entwickeln. Dieses Museum setzt sich mit verschiedenen Aspekten von Farben in unterschiedlichen Kontexten auseinander: wissenschaftlich, künstlerisch, industriell, anthropologisch, alltäglich. Das Museum möchte die Menschen in ihren Beziehungen zu Farben ansprechen und versteht sich als Ort der Entdeckung, der Erfahrung und der Wissensvermittlung.
Im Juli 2013 stellte sie das Projekt beim Kongress der Internationalen Gesellschaft der Farben (AIC) in Newcastle vor. Begleitet wurde der Findungsprozess des Projektprofils durch Seminare und Panels mit Experten sowie durch Befragungen einer internationalen Öffentlichkeit.

Seit Abschluss ihres Diploms in Politikwissenschaft und Kulturmanagement arbeitet Natacha Le Duff in Berlin. Als Produktionsassistentin begleitete sie zahlreiche Performance- und Tanzprojekte. Aktuell arbeitet sie für das DDR Museum und Vive Berlin e.G. im Bereich Geschichts- und Kulturvermittlung.

“Mein erster Gedanke war der eines Zimmers, wo diverse rote Elemente zusammen ausgestellt wären: eine Clownsnase, eine kommunistische Fahne, ein Coca-Cola-Logo… bis zur französischen Flagge, wo Rot zusammen mit Blau und Weiss steht. An diesem Punkt habe ich angefangen, von einem Ort zu träumen, der alle Farben zusammen präsentiert und zeigt, was sie alle verbindet und wie sie zusammen funktionieren.”

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Workshops

Livia Baum und Jutta Werner, Zukunftstil IIT

Workshop „Farb- und Stilmilieus“

Die Kombination von gestalterischen Mitteln wie Farbe, Farbquantität, Material, Oberfläche und Form prägen in besonderer Weise einen Stil und geben ihm eine individuelle Sprache und Logik. Ein sicherer Umgang mit Stilwelten unterstützt Sie dabei die Vorstellung Ihrer Zielgruppe schneller und effektiver zu erkennen, umzusetzen und hilft anhand einer sicheren Darstellung die Kommunikation zu erleichtern.

In dem Workshop „Farb- und Stilmilieus“ bekommen Sie Einblicke in die Entwicklung von Stilen. Sie kreieren stilistisch geprägte Farb-, Design- und Materialcluster und gestalten mithilfe von Collagen die visuelle Umsetzung von Produkt-, Raum- oder Farbkonzepten. In einer abschließenden gemeinsamen Diskussionsrunde bekommen Sie Hilfestellung bei der kreativen Interpretation und Präsentation.

Referenten: Dipl. Des. MA Livia Baum, MA Jutta Werner

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Anke Zürn

Workshop: „Making Gold“

Anke Zürn ist freischaffende bildende Künstlerin und Materialforscherin. Sie ist seit Jahren Grenzgängerin zwischen den Disziplinen und sowohl im Kontext der Kunst, als auch im Kontext der Naturwissenschaften zuhause. Sie studierte Kunsterziehung und Chemie für das Lehramt an Gymnasien an der „Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart” und der „Universität Stuttgart“. Das Lehramtsstudium ergänzte Sie 1998 mit einer Dissertation am „Max-Planck-Institut für Festkörperforschung“ in Stuttgart zu topologischen Aspekten von Kristallstrukturen. Anschließend arbeitete sie drei Jahre als freischaffende Künstlerin und Kuratorin am selbstverwalteten Künstlerhaus Dortmund. 2001 folgte sie der Einladung von Professor Reinhard Nesper an das Laboratorium für Anorganische Chemie der ETH Zürich. Elf Jahre arbeitete sie dort zu Themen der anorganischen Strukturchemie und für die multimediale Vermittlung der Chemie. Von Juli 2012 bis Februar 2013 war sie künstlerische Gastforscherin am „Competence Center Arts Materials Research“ der Hochschule Luzern Design und Kunst.

Der Workshop:
MAKING GOLD
ES GIBT ZEITEN DA VERSUCHT MAN GOLD ZU MACHEN
Nach reiflichen Überlegungen beschloss ich dem Vorbild anderer zu folgen, nämlich anzugeben in der Lage zu sein Gold machen zu können, zeigten zudem erste Versuche vielversprechende Resultate…
In temporären Goldmacherwerkstätten wird das Goldmachen für alle möglich. Die Installationen können an unterschiedlichen Orten und Kontexten sowie in unterschiedlichen Formaten durchgeführt werden. Anwesende können mitarbeiten. Während dieses Projektes entstehen so goldfarbene Pigmenten aus pflanzlichen Farbstoffen mit Bezug zu unterschiedlichen Orten, Pflanzen, Mineralien und Mitarbeitenden. Zu jedem Gold-Set gehört ein Probenröhrchen mit „GOLD“, der dazugehörige Filter, welcher für das abfiltrieren verwendet wurde, sowie Angaben zum Fundort / zur Herkunft der jeweiligen verwendeten Pflanzenspezies bzw. des verwendeten Substrates, mit Produktionsdatum und Produktionsort. Das Gold und diese Sets sind käuflich erwerblich, der Erlös fließt in meine Forschungsprojekte.

FORSCHUNGSREISEN ZUR GOLDKÜSTE
Zur Erkundung, Erforschung und Erschließung neuer Rohstoffvorkommen wurden – und werden auch heute noch – aufwendige Forschungsexpeditionen durchgeführt. Ich beschloss daher außerdem auch anzugeben in der Lage zu sein Gold zu finden. Investoren finanzieren dann meine Forschungstätigkeit, mein Equipment und auch meine Forschungsexkursionen selbst…
Ziel des Projektes sind Reisen mit einer mobilen Goldmacher-Werkstatt in die Länder Westafrikas, also Reisen in Richtung der ehemals sogenannten „Goldküste“ Westafrikas. Während der Forschungsreisen werden an unterschiedlichen Orten Pflanzen gesammelt und geologische Materialproben genommen, im Labor visuell untersucht, weiter bearbeitet und zu „GOLD“ gemacht. Durch die Reisetätigkeit von Europa nach Westafrika ändern sich Ort- und Kontext, und damit diesbezügliche Materialeigenschaften. Diese werden in situ beobachtet. Die ersten Reisen sind 2015 geplant, ebenso die Errichtung einer Forschungsstation im Senegal.

WERKFORMAT UND PUBLIKATION:
Alle Projekte werden (ver)öffentlich(t) durch ihre Durchführung. Sie werden begleitet und ergänzt durch eine Dokumentation, die Veröffentlichung von Werkstattberichten und durch temporäre Verlagerungen der Werkstatt in den öffentlichen Raum, in einen Ausstellungskontext oder eine Konferenz.
An der Konferenz „Farbe als Experiment“ werde ich mein Projekt MAKING GOLD vorstellen und biete allen Konferenzbesuchern an mit mir GOLD ZU MACHEN und so Teil des Projektes MAKING GOLD zu werden. Mit der Teilnahme willigen sie gleichzeitig ein, dass eine fotografische oder videobasierte Dokumentation des Workshops veröffentlicht werden kann.

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