Themenausstellung



Light Fragmentation and Irregularity



Atelier Nussbaumer

Lichtinstallation



Info

Spektrales Licht fällt auf Auffangschablonen, durch die Teile des Lichtes ausgeschnitten werden. Im Blick durch ein zweites Prisma bündeln sich die Restfarben zu neuen Farben und verdeutlichen die additive Lichtmischung. Dieser Vorgang der Vereinigung von Lichtfarben wird anhand einer zweiten Installation irregulär durchgespielt.


Ingo Nussbaumer (www.ingo.nussbaumer.com) lebt und arbeitet in Wien und Stettenhof / Niederösterreich.
Geboren 1956 in Leibnitz in der Steiermark, studierte er Malerei und Philosophie in der Schweiz und Österreich. 1987-89 leitet er eine Zweigstelle der von Beuys und Böll gegründeten Free International University in Wien. Mit der „persönlich notwendigen Verdichtung des Kunstbegriffs“ hebt Ingo Nussbaumer 1989 die Zweigstelle ins „Unsichtbare“ auf, „um sie vor kunstideologischen Missverständnissen zu schützen“.
Seit 2014 Lehrtätigkeit an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Der künstlerische Werdegang setzt für ihn 1973 mit der Entdeckung der Farbform ein, die er als ein tiefenstrukturell wirksames Prinzip kennzeichnet. Dabei spielt die Wechselbeziehung von Farbe und Form eine wichtige Rolle: Formen werden durch Farben evoziert, Farben durch Formen. In der Folge entwickelt er eine Malerei der Farbrhythmen, die ab 1985 sich vom Gestischen und Expressiven verabschiedet und zu einer in sich gegliederten Stufung monochromer Farbfelder führt. Er nennt sie „partitionierte Farbflächen“, an denen sich allmählich die Polarität von Farbbahn und Farbfeld herauskristallisiert und durch die sich die monochromatisch angelegten Bilder wieder einer polychromatischen Struktur zu öffnen beginnen. Ab diesem Zeitpunkt erlangt für ihn der Begriff des imaginären Bildraums eine neue Bedeutung, den er gezielt vom Flachraum der abstrakten Malerei und vom illusionistischen Bildraum der Vormoderne abgrenzt. Hand in Hand geht dies mit der Entdeckung, dass Farbfeld und Farbbahn sich zu Licht-, Schatten- und Raumfarben ausdifferenzieren können und eine Wahrnehmung der imaginären Tiefe ermöglichen. Diese konfrontiert er gezielt mit realen Tiefen des Bildträgers, der als dreidimensionaler Körper aufgegliedert in mehrere Bildkörper durch die Lichtverhältnisse im Raum und durch die Art der Zusammenstellung Schattenfugen bildet. Die realen Schatten werden als eigenständige Bildelemente den gemalten Schatten, Farben und Nuancen gegenübergestellt und in das Gesamtkonzept des Bildes mit aufgenommen. Realität und Imagination bilden so ein eigenes Feld der Auseinandersetzung, ohne in eine Darstellung oder Abbildung von Realität zu gelangen.

In einem Gespräch mit David Komary vermerkt Ingo Nussbaumes:

„Der imaginäre Bildraum verabschiedet sich vom üblichen Darstellungsbegriff des Raumes. Der Darstellungsbegriff schwebt über dem älteren Realismusbegriff. Darum unterscheidet beispielsweise Ryman ganz richtig zwischen einem Realismus als Verfahren und einem Realismus als Darstellung. Im Realismus als Verfahren geht es nicht um Darstellungsinhalte, sondern eben um Verfahren, die einen konkreten Bezug zu den Stoffen und Materialien, mit denen man arbeitet, aufnehmen…Ian Hacking hat diesen Realismusbegriff, den er auf William James und John Dewey zurückführt, in seinem Buch Representing and Intervening thematisiert. Dabei spricht er dem Experiment eine wesentliche Rolle in der Wissenschaft zu. Theorien haben es häufig mit Darstellungen von Realität zu tun, Experimente aber enthalten konkrete Verfahren, verfahren mit Realitäten, mit konkreten Phänomenen. Sie schaffen und kreieren schließlich Realitäten aus Realitäten und das eben nicht bloß gedanklich und rein konstruktiv.“
(aus: „Ingo Nussbaumer, Malerei der Anordnungen, Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2010)

Neben seiner Haupttätigkeit als Maler unterhält der Künstler immer wieder ausgedehnte wissenschaftliche Forschungen zur Farbe, die ihn 1995/96 zur Entdeckung sechs weiterer und bislang unbekannt gebliebener Spektren führen. Er nennt sie unordentliche Spektren. Bahn und Feld spielen auch hier in seinen experimentellen und phänomenologisch ausgerichteten Untersuchungen eine Struktur leitende Rolle. Sein Buch „Zur Farbenlehre, Entdeckung der unordentlichen Spektren“ erscheint 2008. Durch Olaf Müller und gefördert von der Schering-Stiftung realisiert er 2010 eine große Ausstellung mit 19 spektralen Lichtobjekten an der Humboldt-Universität zu Berlin (siehe). Folgeprojekte davon u. a. im Vasarely Museum Budapest und der Galerija Vartai in Vilnius.