Kenzo Onoda, Maebashi, Japan



Es mag der vermittelnden, Assoziationen hervorrufenden Eigenschaft von Farbe geschuldet sein, dass die Auffassung von Farbe häufig funktionalistische Züge trägt.
So bleibt Farbe als ein Mittel zum Zweck in einer Austauschoperation nicht nur verbunden, sondern auch gefesselt. Der Künstler Kenzo Onoda hat sich dagegen gefragt, inwieweit Farbe gerade dank ihres sonderbaren Vermögens, sich simultan als Mittel und als Inhalt zu überliefern, die Möglichkeit einer unbewussten, vor-linguistischen Kommunikation eröffnet. Vergleichbar mit einer Dehierarchisierung von Aussage und Code, von Ursache und Wirkung sowie von Produzent und Werk, beginnt für Kenzo Onoda die Befreiung der Farbe damit, sich der Berührung und der körperlichen Erfahrung auszuliefern. Es handelt sich für ihn dabei um Kommunikation als Organoleptik – jener Form von Wissen, bei der die Einschätzung von Gegenständen und Zusammenhängen einzig auf der unmittelbaren körperlichen Reaktion auf Sinnesreize basiert.
In seinen Performances zielt Kenzo Onoda deshalb auf eine Simultaneität mit den Betrachtern ab. So erfolgt die stets variierende Produktion von Farbe durch eine zeitlich differenzierte Verarbeitung von Inputs mittels der graphischen Entwicklungsumgebung Max/MSP, wobei der Künstler sich selbst als Teil dieses Prozesses versteht. In ihrer Komplexität als Speicher und Auslöser von Erinnerungen und nach den Prinzipien einer Paarung von Aktion und Reaktion, versucht Kenzo Onoda in Farbe eine Entsprechung des Menschlichen zu finden. Beim Sehen von Farbe werden wir – ähnlich wie bei der Wahrnehmung von Gerüchen – unwillkürlich an vergangenes Erleben erinnert.