Kann man mit Farbfotografie die Welt retten?



Prof. Dr. Rolf Sachsse

Prof. Dr. Rolf Sachsse



Freitag 26.09.
13.30 - 14.00 Uhr

in Hörsaal Orange


Abstract

Im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg versuchten viele Menschen, auf die eine oder andere Weise das drohende Kriegsgeschehen zu verhindern, vor allem durch emotionale oder sinnliche Appelle an den élan vital (Henri Bergson 1907). Drei dieser Versuche nutzten die Farbfotografie: Adolf Miethe mit seinen Deutschlandbildern, sein ehemaliger Assistent Sergej M. Prokudin-Gorskii mit seinen Bildern Russlands und insbesondere Les archives de la planète des Pariser Bankiers Albert Kahn.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sah die Situation anders aus: Hier sollte Farbe Propaganda für die Erfolge verschiedener Ideologien machen, von der nationalsozialistischen Perfidie des idyllischen Lebens in Deutschland bis zum New Deal in den USA. Nach diesem Weltkrieg war die farbige Fotografie insbesondere in den späten 1950er Jahren, während der Hochzeiten des Kalten Kriegs, wieder mit friedlicher Existenz konnotiert, bis das allumfassende Farbfernsehen – in Europa ab August 1967 – der Fotografie insgesamt die emotional unmittelbare Medienwirkung raubte.

Der Vortrag wird diesen Prozess an ausgewählten Beispielen der Mediengeschichte darstellen.

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Vita

Rolf Sachsse (Bonn 1949), Photographenlehre bei schmölz + huth in Köln, Studium der Kunstgeschichte, Kommunikationsforschung und Literaturwissenschaft in München und Bonn, Promotion zu einem photohistorischen Thema 1983. Freischaffender Autor, Künstler, Kurator, Photograph. 1985-2004 Professor für Photographie und elektronische Bildmedien am Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein in Krefeld, seit 1995 Assoziierter Professor für Theorien der Gestaltung an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, seit 2004 Professor für Designgeschichte und Designtheorie an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Bibliographie unter www.hbksaar.de/Sachsse.