Getrübte Medien. Wie verhalten sich Licht, Medium und Farbe bei Sir Kenelm Digby, Rubens und Van Dyck?



Dr. Karin Leonhard

Prof. Dr. Karin Leonhard



Freitag 26.09.
15.00 – 15.30 Uhr

in Hörsaal Orange


Abstract

Ich möchte einen Fall zur Diskussion stellen, der mich seit einiger Zeit beschäftigt, weil er eine Theorie der Farbwahrnehmung beinhaltet, die sich sowohl auf naturphilosophische wie maltechnische Vorgänge bezieht: Sir Kenelm Digby hatte 1644 in seinem naturphilosophischen Treatise of Bodies and Man’s Soule eine lange Passage zur Farbmischung eingebaut, in der er auch auf die Malerei referiert, und die bis heute sehr rätselhaft erscheint. Samuel van Hoogstraten hatte sie gekannt und in seiner Einführung in die hohe Schule der Malerei (Inleyding) kritisch kommentiert, wir haben hier also einen Fall vor uns, in dem Naturphilosophie und Kunsttheorie explizit in Austausch treten, aber sich, wie wir noch sehen werden, stellenweise auch wieder missverstehen.

Eine begleitende Frage wird dabei sein: Wie verhalten sich Theorien zur materiellen und zur optischen Farbmischung um 1600 zueinander? Und welche Rolle spielt dabei, dass sich die Unterscheidung der beiden Farbregime der colores proprii und der colores apparentes langsam aufzuweichen begann?

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Vita

Prof. Dr. Karin Leonhard ist Kunsthistorikerin. Sie verfasste ihre Dissertation zum Thema „Zur Interieurmalerei Jan Vermeers“. Sie arbeitete als wissenschaftliche Assistentin an der KU Eichstätt-Ingoldstadt. Anschließend übte sie ihre Professur am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn aus. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Raum- und Wahrnehmungstheorien der Frühen Neuzeit Wissenschafts- und Wahrnehmungsgeschichte des 17. Jahrhunderts. Publikationen: Das gemalte Zimmer. Zur Interieurmalerei Jan Vermeers, München 2003 „Was ist Raum im 17. Jahrhundert? Die Raumfrage des Barock. Von Descartes zu Newton und Leibniz“, in: Visuelle Argumentationen, hg. v. Pablo Schneider und Horst Bredekamp, Paderborn 2005, 11-34 Hg. (zusammen mit Claudia Fritzsche und Gregor J. M. Weber): Ad Fontes! Niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts in Quellen, Petersberg 2013. Die Habilitationsschrift ist eben erschienen: Bildfelder. Stilleben und Naturstücke des 17. Jahrhunderts, Berlin 2013.