Farbexperimente in Handwerk, Kunst und Wissenschaft des 18. Jahrhunderts, oder: wie exotisch war Goethe?



Prof. Dr. Friedrich Steinle

Prof. Dr. Friedrich Steinle



Donnerstag 25.09.
12.00 - 12.30 Uhr

in Hörsaal Orange


Abstract

Bis heute wird Goethes Farbenlehre – ob hoch gepriesen oder als unwissenschaftlich abgestempelt – sehr häufig als ein aus der Zeit fallendes Werk eines Einzelgängers angesehen. Das liegt im wesentlichen daran, dass wir zur Farbenforschung des 18. Jahrhunderts bis heute kein Gesamtbild haben. Eine historische Untersuchung, die Wissenschaft, Kunst und Handwerk gleichermaßen einbezieht, zeigt wichtige Traditionslinien, aber auch markante Brüche. Sie macht überdies für das Ende des Jahrhunderts. eine Häufung von Ansätzen einer einheitlichen Farbenlehre deutlich, in deren Kontext Goethe immer noch herausragt, aber keinesfalls mit seinem Grundanliegen isoliert steht. Der Vortrag wird das entstehende Bild im Umriss skizzieren und dabei besonderes Augenmerk auf die experimentellen Arbeiten richten.

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Vita

Friedrich Steinle wandte sich nach seinem Studium der Physik der Wissenschaftsgeschichte zu. Promotion zur Entstehung von Newtons Mechanik (Tübingen 1991), Habilitation zur experimentellen Forschungspraxis in der Frühphase der Elektrodynamik (TU Berlin 2000). Wiss. Mitarbeiter an der Universität Göttingen und am MPI für Wissenschaftsgeschichte (Berlin), Forschungs- und Lehraufenthalte in Hamburg, Paris, Boston, Bern und Stuttgart. Ab Sommer 2004 Professor für Wissenschaftsgeschichte und –philosophie an der Université Lyon I, Winter 2004 Professur für Wissenschafts- und Technikgeschichte an der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 2009 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der TU Berlin. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte und Philosophie des Experimentes, der Geschichte von Elektrizität und Magnetismus, der Geschichte der Farbenforschung, und der Dynamik wissenschaftlicher Begriffe.

Veröffentlichungen (Auswahl):

Newtons Manuskript "de gravitatione": Ein Stück Entwicklungsgeschichte seiner Mechanik. Boethius 26.  Stuttgart: Steiner (1991) Explorative Experimente. Ampère, Faraday und die Ursprünge der Elektrodynamik. Boethius 50, Stuttgart: Steiner (2005) “Looking for a "simple case": Faraday and electromagnetic rotation”, History of Science 33 (1995), 179-202. “Entering New Fields: Exploratory Uses of Experimentation”, Philosophy of Science 64 (1997): S65-S74. “'Das Nächste ans Nächste reihen': Goethe, Newton und das Experiment”, Philosophia Naturalis 39 (2002): 141-72. “Experiments in History and Philosophy of Science”, Perspectives on Science 10(4) (2002): 408-32. “Exploratory Experimentation: Goethe, Land, and Color Theory”, Physics Today 55(July 2002): 43-9. (mit Neil Ribe) "From Principles to Regularities: Tracing “Laws of Nature” in Early Modern France and England", in L. Daston & M. Stolleis (Hg.), Natural Law and Laws of Nature in Early Modern Europe. Jurisprudence, Theology, Moral and Natural Philosophy. Aldershot: Ashgate, (2008), 215-31.