Farbe im Experiment



Prof. Dr. Ulrich Heinen



Donnerstag 25.09.
13.00 - 14.30 Uhr

Hörsaalzentrum der Universität am Campus Freudenberg (Gebäude FZH)


Abstract

Die Wuppertaler Tradition:
Willi Baumeisters Wandbilder für das Lacklabor der Firma Kurt Herberts

Exkursion mit Vortrag
(einschließlich Mittagessen in der Campusmensa Freudenberg)

Der Gang zur Mensa auf dem nahegelegenenen Campus Freudenberg verbindet die Mittagspause mit dem Besuch eines ungewöhnlichen Bilderzyklus von Willi Baumeister, der sich seit vielen Jahrzehnten im Besitz der Universität befindet.

Farbe im Experiment hat in Wuppertal Tradition.
Zwischen 1937 und 1944 erforschten und demonstrierten Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Franz Krause im Auftrag des Wuppertaler Chemikers und Farbenfabrikanten Kurt Herberts vielfältigste Anwendungsmöglichkeiten moderner Farbstoffe. 1940 wurde hierzu das interdisziplinäre Maltechnikum am Döppersberg 24 eingerichtet. Experimente zu Kunst und Chemie der Farbe in Tradition und Moderne flossen hier in einzigartiger Weise zusammen.
Die Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co lieferte damals Tarnfarben für die Rüstungsindustrie, und auch Baumeister und Schlemmer mußten als verfemte Künstler ihren Lebensunterhalt zeitweise mit Tarnanstrichen aufbessern. In enger Verbindung mit den ästhetischer Prinzipien des Tarnens, deretwegen diese Experimente als „kriegswichtig“ eingestuft worden waren, nahmen die damals entstandenen Versuchstafeln zugleich die Formensprache des Informel und des abstrakten Expressionismus vorweg.
An der Bergischen Universität haben sich 13 von ursprünglich 18 Tafeln erhalten, die Baumeister in dieser Zeit für das Laborgebäude der Lackfabrik Herberts schuf. Baumeister führt in ihnen nicht nur unterschiedliche traditionelle und moderne Farb- und Maltechniken vor, sondern thematisiert in engem Austausch mit Herberts auch die geistigen Bezüge, in denen Herberts und die gesamte Gruppe ihre Experimente damals zwischen Geistesgeschichte, Alchemie, Naturwissenschaft und Kunst zu verorten versuchten: „Die Naturkräfte“, „Der Mensch als Gestalter“, „Aus der Welt der Farben und des Sehens.“

Die Exkursion erinnert an diese Wuppertaler Tradition der Farbe im Experiment und gibt Gelegenheit, Baumeisters einzigartigen Gemäldezyklus eingehend zu betrachten.

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Vita

Studienabschlüsse in Kunst und Chemie (Wuppertal), Kunstgeschichte, Philosophie und Pädagogik (Köln) 1994 Promotion in Kunstgeschichte in Köln 1989-2000 Referendariat (2. Staatsexamen Sekundarstufen I und II) anschließend bis 2000 Studienrat für Kunst und Chemie 1988-2002 künstlerische, kunstpädagogische und kunsthistorische Lehraufträge (Bergische Universität Wuppertal und Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln) seit 2000 Professor für Gestaltungstechnik und Kunstgeschichte (Bergische Universität Wuppertal) seit 2006 zentrale Verantwortung für die Lehrerbildung der Universität u.a. als Sprecher des Gründungsvorstandes der School of Education (Bergische Universität Wuppertal) seit 2007 Dekan des Fachbereichs Design und Kunst (Bergische Universität Wuppertal) 2003 bis 2013 Mitglied des Komitees des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Barockforschung der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel ab 2008 als dessen Vorsitzender 2009 bis 2013 Leiter der Arbeitsgruppe "Affekte im Flämisches Barock" (Wetenschappelijke onderzoeksgemeenschap "Identiteit, functie en expansie van de Vlaamse barok in Europese context"; Fonds voor wetenschappelijk onderzoek – Vlaanderen) seit 2012 assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs Interkonfessionalität in der Frühen Neuzeit (Universität Hamburg; Forschungs- und Wissenschaftsstiftung Hamburg) 2013/2014 Forschungs-Gastprofessur im Sonderforschungsbereich Helden - Heroisierung - Heroismen (SFB 948) (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)