Bringen die forschenden Strategien der Farbindustrie für das Malerhandwerk neue Chancen oder überwiegen die Risiken?



Michael Bablick



Freitag 26.09.
13.30 - 14.00 Uhr

in Hörsaal Rot


Abstract

Entrostungsarbeiten und die Entfernung nicht tragfähiger Beschichtungen sind ungeliebte Arbeiten, die dem Kunden auch viel Geld kosten. Wen wundert es, dass aus bestimmten Kreisen der Industrie auch hierzu Lösungen angeboten wurden. Das Ergebnis ist bekannt.

Not macht erfinderisch. Mit der Hilfe in der Not, der Lösung der Probleme anderer, lässt sich Geld verdienen. Es wäre einseitig hier nur an die Berufsgruppen Ärzte und Rechtsanwälte zu denken. Unsere Wirtschaft lebt davon.

Die Werbung zeigt uns zusätzliche Probleme und Wünsche auf, die uns ohne Werbung unbekannt geblieben wären. Nicht immer ist zu erkennen, ob erst das Problem oder die Problemlösung bekannt war.

Sind zum Beispiel schwarze Farbtöne für Fassaden erforderlich? Dunkle Farbtöne für wärmegedämmte Fassaden bergen wegen der möglichen Aufheizung physikalisch Risiken. Nach Jahren zurückhaltender Farbigkeit dominieren gegenwärtig starke Farbtöne das Straßenbild. Eine derart intensive Farbgebung hielt man noch vor kurzer Zeit wegen der problematischen Lichtbeständigkeit bei so intensiven Farbtönen nicht für möglich. Ist hier der Industrie ein Quantensprung gelungen?
Ist alles, was technisch möglich ist, auch gestalterisch immer gelungen?

Das Beispiel Holzschutzmittel zeigt, dass sich die Bedürfnisse der Menschen ändern. Die Menschen sind nicht mehr bereit zum Schutz von Sachwerten gesundheitliche Risiken einzugehen.

Gleichzeitig sind die gesundheitlichen Sorgen der Menschen bei Schimmelpilzen in der Wohnung groß. Nicht selten ist die dauerhafte Beseitigung der Pilze aber nur mit Fungiziden möglich, bei deren Einsatz der Kunde wiederum gesundheitliche Risiken befürchtet.

Dies und mehr gilt es zu diskutieren.

Die angestrebten Ziele sind ohne Experimente nicht zu erreichen. Diese Experimente müssen aber abgeschlossen sein, bevor das Produkt in den Handel kommt. Der Verarbeiter und der Kunde brauchen Sicherheit, sie tragen die Risiken.

Dazu gehört auch: Nicht alles was technisch und gestalterisch machbar ist, ist auch gut.

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Vita

Nach Malerlehre und Meisterprüfung war Michael Bablick bis 2012 als Lehrer, zuletzt als stellvertretender Schulleiter in der Städt. Meisterschule für das Vergolderhandwerk, der Städt. Meisterschule für das Maler- und Lackiererhandwerk und der Städt. Fachschule für Farb- und Lacktechnik München, Leiter der Anwendungstechnik in der Städt. Fachschule für Farb- und Lacktechnik tätig. In dieser Zeit war er Mitglied im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer München und Oberbayern für Maler und Lackierer, sowie Mitglied im Fachgremium zur Überprüfung der besonderen Sachkunde von Bewerbern für das Amt der Sachverständigen im Maler- und Lackiererhandwerk. Außerdem arbeite er im oberbayerischen Arbeitskreis der Sachverständigen für Maler und Lackierer, im Werkstoffausschuss und im Bildungsausschuss des Landesinnungsverbandes Bayern, sowie im Arbeitskreis Schulen des Hauptverbandes mit. Michael Bablick ist Referent bei Sachverständigenschulungen und Innungen. Michael Bablick ist Autor zahlreicher Lehr- und Fachbücher, mit einer Übersetzung in die polnische Sprache, Autor zahlreicher Fachartikel in DIE MAPPE, DER MALER und DAS MALERBLATT mit teilweisem Abdruck in österreichischen, der schweizerischen und in holländischen Fachzeitschriften. Seit 2002 ist er als Sachverständiger für das Maler- und Lackiererhandwerk öffentliche bestellt und vereidigt. Gegenwärtig ist Michael Bablick auch als Lehrbeauftragter für die Fachhochschule Rosenheim tätig.