Auffällige Analogien im Lichte einer Annahme von Wilhelm Wundt



Priv.-Doz. Eckhard Bendin



Donnerstag 25.09.
13.30 - 14.30 Uhr

Farbe als Akteur und Speicher


Abstract

Die Natur weiß die Vorzüge der Nanotechnologie zu schätzen und setzt für die Farben der Schmetterlingsflügel keine Pigmente, sondern Nanostrukturen ein. Regelmäßig angeordnete Stege mit Abständen etwa in der Größe der Wellenlängen des sichtbaren Lichtes sorgen für intensive farbige Erscheinungen. Der Abstand der Stege bestimmt dabei die Farbe. Ähnliche Farbdifferenzierung ist auch vorstellbar angesichts der auffälligen Analogie zur anatomischen Ausprägung der Disci, den Außengliedern der Photorezeptoren unserer Netzhaut. Dies könnte durchaus eine über 100 Jahre alte Annahme des deutschen Physiologen und Begründers der Experimentalpsychologie Wilhelm Wundt (1832-1920) wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken. Für Wundt war es durchaus vorstellbar, dass es überhaupt keine fest begrenzte Zahl farbiger Sehstoffe gibt, sondern dass diese eine aus unbestimmt vielen Abstufungen bestehende Reihe bilden (Grundzüge der physiologischen Psychologie, 6. Aufl. Bd. II, Leipzig 1910). Auf dem Boden der 1992 von Krumeich und Knülle veröffentlichten Theorie der Aufnahme und Verarbeitung stehender Wellen durch die Außenglieder unserer Farbrezeptoren erhält jene frühe Annahme Wundts heute durchaus Plausibilität, zumal auch die bekannten Farberscheinungen bei Interferenz und Polarisation hierzu analog erscheinen. Zusätzliche Bestärkung könnten jene Annahmen unter Umständen auch aus der durch Franze et.al. 2007 veröffentlichten Aufklärung der Funktion der Müllerzellen als Lichtleiter erhalten.

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Vita

Eckhard Bendin (*1944) hat nach Architekturstudium in Weimar (Diplom 1968) und darauf folgender Kandidatur im Verband Bildender Künstler/ DDR (Aufnahme und Anerkennung als Bauplastiker 1970) zunächst als Architekt, Bauplastiker und Industriedesigner in Weimar und Erfurt gearbeitet, bevor er von 1977 bis 1983 das Büro für architekturbezogene Kunst in Erfurt leitete. 1983 erhielt er einen Lehrauftrag für Gestaltungslehre und Bildnerische Lehre am Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung der Fakultät Architektur der TU Dresden. Als künstlerischer Oberassistent bzw. Privatdozent für Gestaltungslehre wandte er sich hier zunehmend der elementaren Farben-, Formen-   und Gestaltlehre sowie der perzeptuellen Kunst (Percept Art) zu. Eckhard Bendin gründete 1992 die interdisziplinäre Tagungs- und Publikationsreihe ‚Dresdner Farbenforum‘ sowie 2005 die ‚Sammlung Farbenlehre‘, die er bis heute an der TU Dresden ehrenamtlich betreut. Eckhard Bendin veröffentlichte seit 1990 zahlreiche Beiträge zur Farbenlehre (u.a. 2001 das Sächsische Landfarbenbuch und 2010 eine dreibändige Anthologie mit Studien, Modellen und Texten sowie Tafeln und Kreiselscheiben zur Farbenlehre). Seit 2001 kuratierte er zunehmend Ausstellungen zur Geschichte der Farbenlehre (u.a. Schnittstelle Farbe I und II 2001 und 2006, ‚Resonanzen - Farbe als System‘ 2003‚ color continuo 1810…2010 - System und Kunst der Farbe‘ 2009/10 sowie ‚Farbe aus Bewegung‘ 2014). Seit 2012 ist Eckhard Bendin Mitglied des Kuratoriums des Deutschen Farbenzentrums und seit 2014 auch eingebunden in das BMBF-Verbundforschungsprojekt ‚Farbe als Akteur und Speicher‘.